Liebe Leute,

was ist Heimat für Euch? Vor ein paar Monaten war bei Spiegel Online folgende Überschrift zu lesen: „Sie hat Heimat gesagt.“ Gesagt hat’s Karin Göring-Eckhart, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag. Und wie es sich für Kolumnist Jakob Augstein (meistens) gehört, gab’s gleich kräftig Prügel – fürs H-Wort. Und natürlich – natürlich? – wimmelte es fortan nur so vor historischen Einordnungen und Bezügen zur schrecklichsten und grausamsten Zeit in diesem Land. 

Gewiss, die nationalsozialistischen Barbaren haben den Begriff missbraucht – propagandistisch und ideologisch. Und ebenso gewiss ist, dass die rechts-nationalen Biedermänner und Brandstifter aktueller Prägung ihr unsäglich dumpfes Geschrei gerne mit Deutschtümelei verbinden. Derlei (politische) Kommunikation hinterlässt längst ihre tiefen Furchen. Doch bitte schön: Lassen wir uns doch nicht etwas wegnehmen.

Ist Heimat nicht einfach da, wo wir uns wohlfühlen? Ist Heimat nicht einfach da, wo wir angenommen sind? Ist Heimat nicht einfach da, wo wir Zuhause sind? Heimat – für Mercurius ist Heimat auch der Blick vom Merkur ins Tal. Ist Heimat auch, wenn er von einer Reise heimkommt und in seine Straße fährt. Aber Heimat ist für ihn auch in der Fremde, die nicht mehr fremd ist – dort am Meer etwa, in Italien besonders, aber auch anderswo, wo man immer wieder hinfährt, weil die Seele (auch) dort Ruhe findet und mithin eine Heimat hat.

Liberal, offen, frei

Ganz aktuell ist mir die Bedeutung von Heimat wieder sehr gewahr geworden: Viele Menschen stören sich daran, dass die badische Flagge nicht mehr auf dem Karlsruher Schloss wehen darf. Plötzlich ist ein Zeichen, das Identität stiftet und für eine (positive) Historie steht, verschwunden.

Und so wahr es ist, dass Kleinstaaterei keine Perspektive ist und Europa unsere Zukunft bleibt und sein muss, so wahr ist für mich:

Es ist verständlich, ja fast zwingend notwendig, dass in Zeiten einer globalisierten und (zumindest gefühlt) aus den Fugen geratenen Welt die meisten Menschen sich nach einer Heimat, die Sicherheit und Gewissheit bietet, sehnen. Weil die meisten Menschen einen Ort mit Menschen brauchen, wo sie sich eben nicht fremd fühlen. Eine Heimat, die indessen ganz konservativ auch liberal und offen und frei ist. Das zu sagen und zu schreiben und zu fühlen – natürlich darf man das. Ganz ohne Deutschtümelei.