Anspruch und Wirklichkeit treffen mitunter hart aufeinander. Klimaschutz? Hehre Ziele, salbungsvolle Worte samt öffentlicher Kampagne mit dem Titel „Baden-Baden setzt auf 37“: landet bei 13… Die nackten Zahlen zeigen das Versagen (nicht nur) in Baden-Baden. Dabei gäbe es Lösungen.

Die Zahlen gehen so: Bis zum Jahr 2020 – also jetzt – sollten 37 Prozent Kohlenstoffdioxid (CO2) eingespart werden. Erreicht wurde aber nur ein Minus von 13 Prozent. Also nur rund ein Drittel. Mehr ist es auch nicht beim Ausbau der erneuerbaren Energien: 30 Prozent plus war das Ziel – aber es sind nur magere 11 Prozent. Jeweils im Vergleich zum Jahr 2010. Diese Zahlen wurden beim sogenannten „Klimadialog“ genannt, zu dem die Verwaltung am vergangenen Mittwoch eingeladen hatte. 

Baden-Baden ist natürlich in allerbester Gesellschaft. Oder besser: in schlechter. Selbst Städte wie Bühl, die gar den Klimanotstand ausgerufen haben, wursteln sich durch mit wortreicher Klimakleinkrämerei – gerade so, als gäbe es keine Antworten.

Um ganz konkret zu werden: Beim Klimaschutz gibt’s zwei große Stellschrauben beziehungsweise dicke Brocken. Namentlich sind’s der Energie- und der Verkehrssektor. 

Keine Alternative zu Windkraft

Und wenn man über den Energiebereich spricht, müsste man eigentlich „Windkraft“ sagen. Allein dieses Wort indessen gilt gerade in Baden-Baden als Unwort. Selbst ansonsten vernünftige Menschen sehen in den Windmühlen so etwas Ähnliches wie Teufelswerk. Sind sie zwar nicht. Denn beispielsweise in Norddeutschland ist weder der Tourismus zusammengebrochen noch sterben die Menschen aus… Doch nun ja: Berlin – und auch Stuttgart – haben dafür gesorgt: Der Ausbau der Windkraft liegt am Boden. Fast tot. 

Das ist umso schlimmer, als die Energiewende ohne Windkraft schlicht nicht gelingen kann. Wer den Abschied von fossilen Energien mit allen ihren schädlichen Folgen schaffen will, kommt an Windmühlen nicht vorbei. Konkret: Mit nur 13 oder 14 modernen Windkraftanlagen ließen sich rechnerisch alle (!) Haushalte Baden-Badens mit Strom versorgen. Alle! 

Davon ging im Übrigen auch die Stadtverwaltung schon vor Jahren aus. Damals redete man mit den Nachbarstädten über eine gemeinsame interkommunale Planung. Auch: tot.

Jene, die sich über diesen Tod freuen, werben im Gegenzug gerne für Solar. Nur geht’s damit viel zu langsam voran. Ja, kürzlich wurde in Oos eine neue Anlage in Betrieb genommen: Mit einer Investition von 300 000 Euro lassen sich gerade mal 87 (!) Haushalte mit Strom versorgen. Wollte man sämtliche Haushalte in Baden-Baden mit Solarstrom bedienen: Es würden mehr als 600 dieser Art benötigt…

Tja, so steigt ein Industrieland zwar aus der Atomkraft aus und schaltet Kohlekraftwerke ab – doch versäumt gleichzeitig, die Alternativen dezentral (!) ausreichend aufzubauen. Und versäumt ferner, klimapolitisch das zu tun, was zwar nicht die Welt rettet, aber einen Beitrag leistet zur Verminderung der Gefahr. 

Und damit zum Schluss zum zweiten dicken Brocken: Ein Drittel der schädlichen Emissionen stammen vom Straßenverkehr. Und was passiert in BAD? Mehr Autos, mehr Verkehr, mehr Emissionen. Wie sehr die Menschen gerade dieses Thema bewegt, war beim Klimadialog nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen: autofreie Innenstadt, Busspuren auf der B 500, weiterer Ausbau des ÖPNV… und, und, und – Anregungen auf den Tafeln ohne Ende. 

Tatsächlich sind die Staus in BAD ja weder neu noch fallen sie vom Himmel. Man könnte also längst handeln. Ob’s der Himmel richten soll? So scheint’s. Doch ich glaube, in diesem Fall ist (auch) der Himmel überfordert…