Liebe Leute,

„ich hasse dieses internet.“ So lautet der Titel eines Romans des US-amerikanischen Autors Jarett Kobek. Längst ein Kultbuch, wie der Deutschlandfunk befand. „… löst einen heilsamen Schock aus“, meinte die Frankfurter Rundschau. 

Im Buch finden sich Sätze wie diese: „Die Männer, die dem Geld huldigten, erkannten, dass auf einer Plattform, auf der jedes dahergelaufene Arschloch jeden beliebigen Schwachsinn sagen konnte, keine Regeln für den Diskurs galten. Eine Lüge war ebenso mächtig wie die Wahrheit.“ Also kann man lügen, werben und Geld verdienen…

Fernab der Frage, ob die Wortwahl angemessen ist oder nicht: Der Satz ist für mich, den die tiefgreifende Veränderung der politischen Kommunikation und die nicht minder gravierenden gesellschaftspolitischen Folgen hin und wieder durchaus quälen, quasi das Destillat des Buchs. Das Internet ist längst eine gigantische Weltveränderungsmaschine mit fundamentalen Konsequenzen nicht nur für unseren Alltag, sondern für die Art und Weise, wie wir uns politisch verständigen – oder eben auch nicht (mehr)…

Gnadenlose Härte

Als ehemaliger Zeitungs- und Nachrichtenmensch sehne ich mich nicht selten wehmütig nach der Zeit zurück, als noch klare Kriterien für die Auswahl dessen galten, was berichtenswert war oder nicht. Ja, man hat sich (schon damals) zu oft nur auf das Negative gestürzt. Ja, man hat sich zu oft an dem orientiert, was das Establishment als wichtig empfand. Und ja, dabei gerieten die Sorgen und Nöte vieler Menschen zu häufig aus dem Blick. Aber „Lügenpresse“? Nein. Dieser Vorwurf stammt just von jenen, die selbst nicht wahrhaben wollen, wie komplex die Wirklichkeit ist – und ihre eigene Wahrnehmung zur unumstößlichen Wahrheit erklären und mit meist gnadenloser Härte postulieren.

Doch all’ die Wehmut auch wegen des weiter zu erwartenden Niedergangs der Zeitungen und des damit verbundenen schleichenden Verfalls politischer Kommunikationsstrukturen u n d der Sitten und Gebräuche: Jammern hilft nicht.

Jene, die guten Willens sind, jene, für die der rationale Diskurs der richtige Weg beim Ringen um die beste Lösung ist, jene, denen diese freiheitliche Demokratie am Herzen liegt, müssen raus aus dem Schneckenhäuschen und die Möglichkeiten nutzen, die das Internet eben auch bietet.

Nicht ertrinken!

Überlassen wir den rechten Dumpfbacken, den Nationalisten, den Verklärern und Propagandisten nicht das Feld. Und arbeiten wir uns doch bitte nicht an denen ab! Wir stärken sie damit nur.

Und befleißigen wir uns –  jenseits parteipolitischer Präferenzen – doch auch in Stil und Sprache eines Auftretens, das Verständigung und Miteinander noch möglich machen. In Zeiten von hektischem Geschrei, Gebrummel und Geplapper wäre auch das ein Ziel: Das Gute befördern. Das Gute aufzeigen. Das Gute verbreiten. Damit wir – bei allem notwendigen Realismus – nicht irgendwann im Sumpf von Wut u n d Lügen ertrinken. Die Maschine läuft…