Liebe Leute,

die Bundesregierung hat in dieser Woche (auch) auf Facebook deutlich Flagge gezeigt: „Rassismus ist ein Gift“. Und „warum es gilt, gegen Rechtsextremismus aktiv zu werden“, das wurde mit Zahlen untermauert. Was dann passierte, lässt tief blicken.

Ich kann die Social-Media-Redaktion des Bundespresseamts nur bewundern. Immer und immer wieder reagierte die Redaktion besonnen und klug auf teils massive Angriffe. Natürlich waren und sind dort rechte Trolle unterwegs. Aber auch Bürger, die sofort ihre Grundsatzkritik abladen – mal gegen (vermeintlich) zu viele Fahrräder, mal gegen die (vermeintlich) sämtlich unfähigen Politiker, mal gegen die (vermeintlich) zu geringe Beachtung der Bedrohung von links… Was war nochmal gleich das Thema?

Damit fängt’s eigentlich an – in Sachen Kommunikation: Verständigung. Auch das klappt vielfach nicht mehr. Kurz zu Wort gemeldet habe ich mich dennoch. Ich lobte die klaren Worte der Bundesregierung als gut, notwendig und überfällig  – um einen winzig kleinen Beitrag zu leisten: Wir sind mehr! Allerdings stellte ich im Hinblick auf die im Post genannte Anzahl von Hasspostings im Jahr 2018 auch fest: „Diese Menge würde ich an einem einzigen Tag finden.“ Und das sehen ziemlich viele Leute so.

Zahlen zu niedrig

Tatsächlich handelt es sich bei den 1130 Hasspostings „rechts motivierter Kriminalität in 2018“ um die Posts, die zur Anzeige gelangt sind! Insofern mag die Zahl im juristischen Sinne korrekt sein (Quelle: Innenministerium). Doch die Zahl bildet die Realität nicht ab. Das muss man wissen. Und wer will, kann es täglich sehen.

Auch eine andere Zahl ist weit schrecklicher: 97 Todesopfer rechtsextremer Gewalt von 1990 bis 2018… Ein Rechercheteam von „Zeit“ und „Tagesspiegel“ nennt in einem aufwendigen Dossier in dieser Woche 182 Opfer. Und andere (seriöse) Organisationen kommen auf eine ähnliche Anzahl. 

Sage jetzt bitte niemand, das sei egal. Denn: Jeder Mord ist einer zu viel. Jedes Opfer ist eines zu viel. Und: Das geht uns alle an. Es sind Morde und Anschläge wider ein weltoffene Gesellschaft. Wider diese Demokratie.

Mehr als 600 Haftbefehle offen

Und wer nach dem Wahlergebnis von Hamburg meint, die Menschen kämen zur Besinnung, möge bitte nur die Kommentare auf ein paar (öffentlichen) Seiten hier auf Facebook lesen (über die verborgenen reden wir ein anderes mal). 

Und – um auch das noch zu erwähnen: Im Kampf gegen die RAF hat dieser Staat zurecht zu fast allen Mitteln gegriffen. Warum nicht gegen die Rechtsextremisten? Fast 500 (!) Neonazis sind untergetaucht, mehr als 600 Haftbefehle sind offen… 

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Foto: Quelle Bundesregierung/Post auf Facebook