Liebe Leute,

bald werden fünf Milliarden Euro verteilt – an die Schulen in ganz Deutschland. Wenn es zügig läuft, kann noch in diesem Jahr Geld ausgegeben werden – für Netze innerhalb der Schulen, für interaktive Tafeln, für Lern- und Lehrplattformen. Digitalpakt nennt sich das. Wichtig wäre, für Medienmündigkeit und Medienkompetenz mindestens genauso viel auszugeben…

Nun ja, ich weiß, derlei wird nie Realität. Aber es wäre sinnvoll investiertes Geld. Denn: Werte sind wichtiger als Maschinen. Schließlich kann sich eine freiheitliche Demokratie nicht gedeihlich entwickeln, wenn die Debatte fernab von überprüften Fakten davon galoppiert und zudem gar nicht selten von Fake News überlagert wird. Und gut möglich, dass mit qualifizierter Medienschulung in den Bildungsstätten auch die Eltern erreicht werden. Es soll ja Kinder geben, die daheim erzählen, was so in der Schule passiert… 

Quelle beachten!

Ganz ehrlich, mich macht’s zunehmend fusselig, was auf allen möglichen Kanälen im Netz so verbreitet wird. Dass der Nonsens besser und länger im Hirn bleibt als das Seriöse – davon hatten wir es kürzlich ja schon. Auffällig ist zudem, dass vielen schlicht egal ist, welcher Quelle sie sich bedienen. 50 Prozent der Menschen beachten die Quelle nicht, so der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Die Hälfte!!

Und da wundern wir uns noch über mangelnde Qualität der Debatte? Ok, das war rein rhetorisch… Jedenfalls, das fällt mir auf: Gerade jene, die gerne seriöse Medienhäuser als Teil der Lügenpresse beschimpfen, verbreiten ganz besonders gerne Beiträge von sogenannten „alternativen“ Plattformen. Da wird munter drauflos gepoltert mit einer gnadenlosen Vermischung von Meinung und (vermeintlicher) Nachricht  – und es ist beispielsweise völlig egal, dass sich dahinter das Kürzel „ru“ findet, also eine in Russland registrierte Plattform. 

Schimpfen auf „Staatsfunk“ – blind gen Osten

Auch ich selbst halte möglichst gute Beziehungen zu Russland für dringend geboten. Doch wer auf den deutschen „Staatsfunk“ schimpft und gen Osten blind ist, dem wird man sagen müssen: Zünde eine Kerze an – damit Dir ein Licht aufgeht. Man sieht eben gerne den Splitter im Auge des Nächsten – aber den eigenen Balken nicht. 

Das passiert häufig nicht nur fahrlässig, sondern gezielt. Zu Zwecken der Propaganda. Das hat es früher, als das Internet noch nicht erfunden war, natürlich auch gegeben. Aber heute, in diesen Zeiten, in denen jede und jeder auch noch den letzten Quatsch publizieren kann, braucht es nicht nur neue Regeln – sondern Kompetenz. Und so fordert der Tübinger Wissenschaftler zurecht das Schulfach „Medienerziehung“. Noch einen Digitalpakt? Ja, bitte.