Liebe Leute,

Europa – ein Friedensprojekt? Ja, natürlich.

Aber mich beschleicht seit geraumer Zeit ein ungutes Gefühl: Mit der Fokussierung auf ein friedliches Miteinander wird nur ein Teil der Wahrheit erfasst. Es stimmt ja: Ohne Frieden ist alles nichts. Und so gut, richtig und wichtig die Erinnerung an schreckliche Zeiten und die Mahnung, die Ära des Friedens zu bewahren, auch sind – es genügt nicht. Es genügt schon allein deshalb nicht, weil die meisten von uns blutigen Krieg nur aus Geschichtsbüchern oder dem Fernsehen kennen. Frieden – das ist bei uns so selbstverständlich geworden wie das Grün der Bäume im Frühling.

Doch Herbst und damit dunkel kann es schnell werden, wenn nicht endlich auch andere Zusammenhänge ihren gebotenen Rang bekommen. Ein Beispiel: Die Wirtschaft der EU ist größer als jene der USA. Die EU ist neben China und den USA einer der drei Weltakteure – wirtschaftlich! Und rund zwei Drittel des gesamten Handels der EU erfolgt mit den anderen EU-Ländern. Hauptprofiteur: Deutschland. 

Was ich damit sagen möchte: Wer Nationalisten und Populisten die Stirn bieten will, hat mit den oben genannten Sätzen gute Argumente. Denn wie kann man denn in nüchternem Zustand glauben, mit Volkstümelei in dieser vernetzten Welt auch nur ansatzweise überleben zu können? Wie kann man denn in nüchternem Zustand glauben, die Vorteile der EU-Mitgliedschaft nutzen zu können, aber sich gleichzeitig abzuschotten? 

Die EU ist nicht schuld

Gleichwohl, es ist ferner richtig: Es gibt in Europa durchaus Staaten, denen es nicht so gut geht. Und es gibt in Europa ganze Landstriche und Regionen, die darben. Auch in Deutschland sind Problemzonen bekannt. Und die Menschen, die entweder vom Strukturwandel oder von der Globalisierung und/oder Digitalisierung betroffen sind, leiden. Daran ist aber nicht die EU schuld. Blickt man etwa nach Italien, dann ist die Vernachlässigung des Südens augenfällig. Und dass der Osten Deutschlands hinterher hinkt – auch das hat nicht die EU zu verantworten.

Alleine besteht niemand mehr

Alleine besteht heute niemand mehr. Die EU ist auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht ein Bollwerk – noch. Die Entwicklung (nicht nur) in Asien ist rasant. Wir werden uns alle noch umgucken. Umso mehr kann und darf es nur ein stärkeres Miteinander geben – und zwar auf allen Ebenen, in der Sozialpolitik genauso wie bei der Verteidigung. 

Wer anderes propagiert, redet in meinen Augen dummes Zeug. Oder streut den Menschen absichtlich Sand in die Augen. Man sieht’s auf Wahlplakaten… 

Letztlich – bei aller zum Teil berechtigten Kritik: Man möge in die Welt blicken – wie gut wir es doch haben! Gewiss nicht alle – aber die meisten.