Liebe Leute,

„wo die Sprache verroht, ist die Straftat nicht weit“ – das sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jetzt gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Es sind Worte, die hoffentlich haften bleiben – und endlich, ja endlich die Debatte darüber verstärken, was Tag für Tag in den digitalen Netzwerken an Hass, Verleumdung und Beleidigung verbreitet wird und was exakt das mit uns allen macht. 

Ganz persönlich: Dieser Tage teilte eine „Freundin“ auf Facebook einen Post einer rechten Plattform. Ein Schlagersänger bezeichnet die Bundeskanzlerin als „Verbrecherin“, die in die Psychiatrie müsse. Ich habe mir daraufhin den Youtube-Kanal des Sängers angeschaut und ein paar der vielen hässlichen, menschenverachtenden und entwürdigenden Kommentare gelesen. Mir stockt in solchen Fällen der Atem… 

Es muss ein Kodex her!

Es ist Zeit, höchste Zeit, dass der Verrohung und Verluderung dieser so gar nicht privaten, weil öffentlichen Meinungsäußerungen genau jene Grenzen gesetzt werden, die beispielsweise für Zeitungen gelten: Jene müssen sich an einem berufsethischen Regelwerk namens Pressekodex orientieren. Zur Erläuterung: Würde eine Zeitung diskriminierende, menschenverachtende, beleidigende Kommentare als Leserbriefe veröffentlichen, wäre just das ihr baldiges Ende! 

Anlass für die Worte von Steinmeier war der Mord am nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Derzeit spricht viel für einen (erneuten) rechtsextremen Hintergrund. Dass die Rechtsradikalen den Raum des Gesagten (und Tuns) schon längst unerträglich gedehnt haben, ist nicht neu. Man traut sich – und zwar immer mehr. 

Wie soll Verständigung möglich sein?

Doch fernab dieser Rechten: Ich empfinde die Art und Weise (auch) der politischen Debatte (auch) auf Facebook und Co als zunehmend konfrontativ und ungnädig, um es einmal so auszudrücken. Da geht’s – mitsamt verbaler Härte – oft nur ums Rechthaben. Und sobald eine Meinung auch nur ein Fitzelchen von der „reinen Lehre“ oder gar der empfundenen „Wahrheit“ abweicht, gibt’s auf die Mütze. 

Man muss gewiss nicht den weltweit renommierten Philosophen Jürgen Habermas und dessen Schriften über Sprache und Kommunikation im öffentlichen Raum heranziehen und würdigen. Aber wie in diesem zu beobachtenden Klima der gegenseitigen Ausgrenzung und Entgrenzung noch Verständigung möglich sein soll – das muss mir mal jemand erklären. 

Vielleicht, um einen positiven Schluss zu finden: Die FB-Gruppe #ichbinhier, die gegen Hasskommentare und Hetze im Internet vorgeht, leistet (ehrenamtlich) eine tolle Arbeit. Mehr davon!