Liebe Leute,

wenn ich mit (meist jüngeren) Menschen auf den Kapverden spreche, höre ich immer wieder solche Worte: „Die denken doch nicht an uns“ oder „Die machen, was sie wollen“… Gemeint ist die Regierung. Manchmal muss ich fast schmunzeln – denn wie sich die Sätze doch gleichen. 

Nun, beurteilen kann ich nicht wirklich, ob die Klagen der jungen Leute begründet sind. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch. Und natürlich profitieren von dem stark wachsenden Tourismus längst nicht alle Menschen. 

Immerhin: Die Kapverden sind seit 1975 unabhängig von der alten Kolonialmacht Portugal, längst befriedet, gelten als demokratisch mustergültig – und zählen nun zu den sogenannten „Schwellenländern“. Eine eher linke Partei tauscht mit einer auch wirtschaftspolitisch liberalen immer wieder die Rollen und Ämter. 

Wie wenig selbstverständlich und wie schätzenswert derlei ist, kann man sich in Tarrafal auf der Insel Santiago in Erinnerung rufen:  und zwar im Campo de Concentracao (Konzentrationslager), das heute Museu da Resistencia (Widerstandsmuseum) heißt. 

Der Kampf um Unabhängigkeit und Demokratie war (auch) auf den Kapverden blutig und lang und erst vor 44 Jahren erfolgreich. Vor nur 44 Jahren! Das faschistische Regime in Portugal wehrte sich mit allen bekannten brutalen Mitteln gegen den Widerstand von Intellektuellen, Studenten, Arbeitern und Bauern. Das heutige Museum zeugt davon. Manche starben dort einen langsamen Tod – manche wurden hingerichtet. 

Die Zellen und andere Räume sind unverändert, gewissermaßen original – mit in die Wände geritzten Inschriften oder kleineren Zeichnungen. Man erschaudert. Und steht plötzlich vor einer größeren Übersichtstafel mit einer Weltkarte der Konzentrationslager – und liest zahlreiche deutsche Namen… 

Nicht nur in solchen Augenblicken, dann aber besonders, weiß ich: Wie vergesslich sind doch viele Menschen! Ob auf den Kapverden oder in Deutschland: Wie gut haben wir es doch! Wir können und dürfen sogar motzen, wie wir wollen.

Als schön und notwendig indessen empfinde ich es, wenn das Bewusstsein dafür wieder stiege, dass die Demokratie eben alles andere als selbstverständlich ist. Und: Es braucht Menschen, die sich einbringen. Nicht bei Facebook und mithin virtuell – sondern ganz real. Andernfalls gewinnen jene, denen wahrhaftige und wehrhafte Demokratie schon immer ein Graus war: die Rechtsaußen, die Nationalisten und Faschisten.