Liebe Leute,

was für eine Woche! Christian Lindner hat sich entschuldigt. Im Bundestag. Ein äußerst ungewöhnlicher Akt. Der FDP-Chef sagte: „Erfurt war ein Fehler, aber wir unternehmen alles, damit er sich nicht wiederholen kann.“ Prügelt mich: Ich glaub’s ihm. 

Blauäugigkeit ist indessen nicht zu empfehlen. Der Druck auf Lindner war extrem: blankes Entsetzen. Er musste seinen Kopf retten. 

Vorsicht: Täuschung!

Denn die demokratische Öffentlichkeit ist wach. Gewiss wacher als vor Thüringen. Darüber kann man sich freuen. Ebenso: Endlich nimmt der Verfassungsschutz ein paar Dunkelmänner der AfD stärker ins Visier. Telefonate können nun abgehört und E-Mails gelesen werden. Blauäugigkeit ist aber auch in diesen Fällen nicht anzuraten: Wer eine faschistoide Gesinnung hat, weiß sich zu helfen. Und zweitens: Die Herren dürften sich nun noch etwas bürgerlicher geben. Vorsicht Täuschung!

Apropos Täuschung: Wer auch immer gemeint hatte oder noch meint, mit der AfD irgendwie kooperieren und dadurch selbst profitieren zu können, wird gerade ziemlich belehrt. Wer legt in Thüringen zu? Die Linke. Wer war in Bayern in die Klemme geraten wegen mangelnder Abgrenzung? Die CSU. Söder hat gelernt. Dieser Bildungserfolg muss sich noch bis in so manche Verästelung in der Schwesterpartei fortsetzen… Der Ast, auf dem manche sitzen, ist schon brüchig. 

Für Anstand und Würde

Zu Bruch gingen übrigens auch Fensterscheiben der FDP – unter anderem in Hannover. Und so manche Liberale wurden beleidigt und bedrängt. Ich denke: Wir sollten alle miteinander aufpassen, dass da nichts weiter aus dem Ruder läuft. Anstand und Würde sollten die Haltung prägen! Hass und Hetze von rechts sind schon belastend genug.

Apropos Würde – und damit nochmal zur FDP. Gerhart Baum, ehedem Innenminister unter Kanzler Schmitt, ist für mich noch immer, was er immer war: ein profilierter Sozialliberaler. Zugegeben: Diese Leute mag ich. Doch sie sind an den Rand gedrängt worden. Auch das war und ist ein Fehler. In einem längeren Gespräch im ZDF hat Baum diese Woche nicht nur Lindner gezeigt, wo der Hammer hängt, sondern frisch und munter auch für soziale Sicherheit geworben – in Zeiten der Globalisierung, in der vieles zu verrutschen droht. 

Und er schrieb (nicht nur seiner Partei) ins Stammbuch: Die Menschen haben die Selbstbeschäftigung von so mancher Partei satt. Viel Beifall gab’s. Auch von mir. Daheim auf dem Sofa… Von dort sich zu erheben, scheint mir in diesen Tagen besonders wichtig zu sein: Demokratie braucht das Engagement der Bürger.